St. Pauli + Gegengerade = Heimat
“Die Welle ist verrückt! Also baut sie!” Mir hat dieses Bekenntnis auf unserer Facebook-Seite aus der Seele gesprochen, weil es wie kaum ein anderes die Leidenschaft und Emotion, die man als Fan des FC St. Pauli in sich trägt, zum Ausdruck bringt. Schließlich geht es nicht um den Bau eines Reihenendhauses - es geht um die Gegengerade verdammt nochmal! Für mich seit mehr als 15 Jahren ein Stück Heimat und diese Tribüne soll für … sagen wir mindestens doppelt so lange Zeit weiter Heimat bleiben. Bis halt der Sarg ruft.
Warum der mathematisch anmutende Titel? Es geht darum, einen emotionalen Zwischenruf in die von Kalkulationen und Milchmädchenrechnungen bestimmte Debatte einzuwerfen. Klar gibt es Schmerzgrenzen und dann gibt es auch noch Grenzen des Verantwortbaren. Aber wenn ein Generalunternehmer seine Kostenberechnung für die Welle allein schon beim verbauten Stahl so ansetzt, als ob es um den Bau des Eiffelturms ginge, und diese Zahlen dann auch noch “geleakt” werden, dann ist es auch wieder Zeit für Emotionen und verrückte Bekenntnisse.
Eine Entscheidung soll laut Abendblatt in der kommenden Woche fallen. Wir werden nie wie Hoffenheim, Augsburg oder Wolfsburg sein - aber unser Stadion vielleicht. Trauen wir uns die Welle zu machen?
Eine optische Wand, ganz nah am Rasen, eine Stimmung, die als Welle auf das Spielfeld schwappt, die einen antreibt und die anderen wegspült – that’s the way we like it!
Welle oder Basis-Entwurf? Die Preisfrage
Auch wenn die Reporter zweier Hamburger Tageszeitungen schon Zahlen wissen wollen, mit denen die Welle angeblich aus dem Rennen ist, hat das Dementi des Vereins fürs Erste weiter Gültigkeit, sind die Berichte über ein Aus der Welle “reine Spekulation”.
Was ich so höre, sind die Preisschilder der beiden Entwürfe immer noch nicht raus. Allerdings ist deren Ansage mittlerweile fällig. In Kürze dürfte das Geduldspiel also ein Ende haben. An sich scheint es ja so zu sein, dass Vereinspräsidium und Aufsichtsrat bereit sind, der Welle den Zuschlag zu geben. Aber allen Befürwortern und auch den Machern der Welle sollte klar sein, dass jede Million, die der Entwurf teurer ausfällt, am Ende das Aus bedeuten kann.
Warum lieber anders als wie ihr?
Es ist ja nicht so, dass ich mit dem Basis-Modell nicht leben könnte. Nur war es so, dass sich spätestens seit dem Bau der Haupttribüne schleichend ein mulmiges Gefühl eingestellt hat. Gedanke: “Und das soll jetzt aus dem Millerntorstadion werden?” Klar: Der Schock waren vor allem die Doppelstocklogen und die Business-Seats. Aber auch das sich einstellende Bewusstsein, das nicht viel Eigenständiges bleiben würde im Vergleich zum Arena-Einheitsbrei der Bundesliga, außer ein paar Ziegeln an der Außenfassade und vielleicht noch eine Wandmalerei wie an der Süd.
Und da kam der Wellen-Entwurf ins Rennen - die Wirkung: wie eine Befreiung! Es ist die Aussicht, dass die 2 Stunden im Stadion immer die Chance auf ein Gänsehaut-Erlebnis haben. Kritiker der Welle nennen das Event-Kultur, für mich ist es die Perspektive, nach 16 Jahren auf der Gegengerade auch in Zukunft diese Tribüne als etwas ganz besonderes, einzigartiges zu erleben.
Sicher gab’s auch für mich diese Fragen: “hält das?”, “ist das bezahlbar?” - die Fragen bleiben und können am Ende nur nach Kenntnis aller Fakten von Präsidium und Aufsichtsrat beantwortet werden. Aber die AG Stadionbau hat mir mit ihrem Bericht auf jeden Fall die Sicherheit gegeben, dass der Entwurf kein Wolkenkuckucksheim ist. Selbst nackte Zahlen sprechen für die Welle: Mehr Stehplätze, die größere Nähe zum Spielfeld, mehr Platz hinter der Tribüne, ein Biergarten für Fanräume … Klar, Basismodell geht auch, aber geiler wär’s schon. Frei nach Thees Uhlmann und Gurkentruppe: Unser FC ist anders als wie euer Verein - und das soll auch so sein!