Freakwave St. Pauli
Abgesang auf die Welle

Neulich auf dem Desktop des Präsidenten: Ein Satire-Screenshot …

So, dann machen wir hier den Sack zu! Spätestens seit der Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli ist klar: Das sogenannte Basismodell von Hellmich und ar.te plan hat den Zuschlag als Neubau der Gegengeraden - und daran ist nicht mehr zu rütteln. Ein gutbegründeter Antrag, die Neubauentscheidung auszusetzen und ein Jahr lang alle Möglichkeiten - also auch die Welle - zu prüfen, wurde kurz nach Mitternacht zurückgezogen.

Einziger Vorbehalt: Präsidium und Aufsichtsrat haben einen 13-Meter-Abstand hinter der Gegengeraden zum Heiligengeistfeld zur Bedingung erklärt. Wird der von der Stadt nicht zur Verfügung gestellt, hat das Basismodell endgültig ein Problem. Doch laut Präsident Orth sind die Gespräche dazu auf gutem Wege. Es wurde auch in Aussicht gestellt, dass Fanräume und Domwache keine Nachbarn werden. Damit wäre ein Interessenkonflikt in diesem Punkt ausgeräumt.

Einzig das von der AG Stadionbau identifizierte Problem der Sichtbehinderung der TV-Kameras durch Fahnen und Doppelhalter sowie durch stehende Zuschauer im Sitzplatzbereich wird derzeit konsequent ignoriert. Das scheint keinen der Verantwortlichen groß zu interessieren - jedenfalls wurde auf der Pressekonferenz zur Entscheidung über die neue Gegengerade genauso wenig ein Wort darüber verloren, wie auch auf der Mitgliederversammlung.

Uneinigkeit gibt es über die Gesamtkosten für Stadionneubau und Ausbau des Trainingsgeländes. Während Aufsichtsratschef Christoph Kröger von einer Deckelung bei 20 Millionen Euro sprach, im Anleihe-Katalog etwas von 22 Millionen steht, geht Geschäftsführer Michael Meeske “je nach Lesart” von 22,5 Millionen Euro aus. Dabei sollen die Kosten für die Domwache mit drin sein, die an den Verein zurückgezahlt werden. “Auf alle Fälle” gebe es Klärungsbedarf, so Kröger.

Ein paar letzte Bemerkungen zur Welle: Riesen-Respekt vor der Initiative von Interpol. Es spricht für die Kreativität der Fan-Kultur auf St. Pauli, das aus ihrem Kreis solche Ideen geboren werden. Umso mehr schmerzt die verpasste Chance. Und ein bitterer Nachgeschmack bleibt: Bei dem ganzen Prozedere hat man unter dem Strich den Eindruck gewonnen, dass Hellmich/ar.te plan mit ihrer Standardtribüne irgendwie ein Heimspiel hatten. Über Bauzeit und Kosten der Welle wurden zuletzt nur noch Mutmaßungen angestellt - über genauere Prüfungen konnte ich in den Medien und auch sonst nichts erfahren.

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