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Gewalt unter dem Deckmantel des Vereins — Hamburger Abendblatt vom 25. April 2012
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Ich war bei den Geschehnissen vom Schweinske-Cup 2012 nicht dabei, habe mich deswegen weitgehend mit Kommentaren zurückgehalten. Auch jetzt will ich nicht groß urteilen. Nur soviel: Die vorschnelle Gleichung “72 Ingewahrsamnahmen + 90 Verletzte = St. Pauli hat ein Gewaltproblem” sagt vielleicht mehr über die Arbeit der Polizei und diverser Journalisten aus als über die Fans unseres Vereins. Außerdem ist die Arbeit der “szenekundigen Beamten” spätestens jetzt ähnlich diskussionswürdig wie die des Thüringer Verfassungsschutzes im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle.
Zur Meinungsbildung empfehle ich folgende Links:
Offizielle Stellungnahme des FC St. Pauli - selten so klare Worte von einem Verein Richtung Polizei gelesen, Respekt!
Feierabend - Danke an Norbert für den ersten zuverlässigen Bericht über die Auseinandersetzungen. Auch im Rückblick mit das Beste, was darüber zu lesen ist.
Irgendwie macht es keinen Spaß mehr - gute Aufarbeitung der Erlebnisse, mit dem notwendigen Blick auf die eigene Fanszene.
Etwas Besseres als diesen Journalismus - legt den Finger in die mediale Wunde.
Gewaltorgie beim Hallenturnier: Des Rätsels Lösung - Publikative hat schon mehrfach vorexerziert, dass journalistische Arbeit über das unbedachte Reproduzieren von Polizeimeldungen hinausgehen sollte. Hier wieder!
Budenzauber … - neunzehnhundertzehnblog mit dem vielleicht besten Kommentar. Unbedingt solchen St. Pauli Fans zu empfehlen, deren Wertekompass nach den Alsterdorfern Geschehnissen vorübergehend gestört war. Eine bessere Bewertung habe ich nicht gefunden!
Ich Kriegsgewinnler - magischerfcblog bilanziert das noch nie dagewesene Echo auf seinen ersten Bericht zu dem Alsterdorf-Chaos
Schweinske-Cup 2012 - der Übersteiger-Blog, also Pflichtlektüre!
Neulich auf dem Desktop des Präsidenten: Ein Satire-Screenshot …
So, dann machen wir hier den Sack zu! Spätestens seit der Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli ist klar: Das sogenannte Basismodell von Hellmich und ar.te plan hat den Zuschlag als Neubau der Gegengeraden - und daran ist nicht mehr zu rütteln. Ein gutbegründeter Antrag, die Neubauentscheidung auszusetzen und ein Jahr lang alle Möglichkeiten - also auch die Welle - zu prüfen, wurde kurz nach Mitternacht zurückgezogen.
Einziger Vorbehalt: Präsidium und Aufsichtsrat haben einen 13-Meter-Abstand hinter der Gegengeraden zum Heiligengeistfeld zur Bedingung erklärt. Wird der von der Stadt nicht zur Verfügung gestellt, hat das Basismodell endgültig ein Problem. Doch laut Präsident Orth sind die Gespräche dazu auf gutem Wege. Es wurde auch in Aussicht gestellt, dass Fanräume und Domwache keine Nachbarn werden. Damit wäre ein Interessenkonflikt in diesem Punkt ausgeräumt.
Einzig das von der AG Stadionbau identifizierte Problem der Sichtbehinderung der TV-Kameras durch Fahnen und Doppelhalter sowie durch stehende Zuschauer im Sitzplatzbereich wird derzeit konsequent ignoriert. Das scheint keinen der Verantwortlichen groß zu interessieren - jedenfalls wurde auf der Pressekonferenz zur Entscheidung über die neue Gegengerade genauso wenig ein Wort darüber verloren, wie auch auf der Mitgliederversammlung.
Uneinigkeit gibt es über die Gesamtkosten für Stadionneubau und Ausbau des Trainingsgeländes. Während Aufsichtsratschef Christoph Kröger von einer Deckelung bei 20 Millionen Euro sprach, im Anleihe-Katalog etwas von 22 Millionen steht, geht Geschäftsführer Michael Meeske “je nach Lesart” von 22,5 Millionen Euro aus. Dabei sollen die Kosten für die Domwache mit drin sein, die an den Verein zurückgezahlt werden. “Auf alle Fälle” gebe es Klärungsbedarf, so Kröger.
Ein paar letzte Bemerkungen zur Welle: Riesen-Respekt vor der Initiative von Interpol. Es spricht für die Kreativität der Fan-Kultur auf St. Pauli, das aus ihrem Kreis solche Ideen geboren werden. Umso mehr schmerzt die verpasste Chance. Und ein bitterer Nachgeschmack bleibt: Bei dem ganzen Prozedere hat man unter dem Strich den Eindruck gewonnen, dass Hellmich/ar.te plan mit ihrer Standardtribüne irgendwie ein Heimspiel hatten. Über Bauzeit und Kosten der Welle wurden zuletzt nur noch Mutmaßungen angestellt - über genauere Prüfungen konnte ich in den Medien und auch sonst nichts erfahren.
It ain’t over till it’s over. — Lawrence Peter “Yogi” Berra, Manager New York Mets
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… mein Geld gebe ich also nur für die Welle her! Warum - dazu später mehr.
Seit vorgestern ist die Katze aus dem Sack: Für den Neubau von Gegengerade und Nordkurve, sowie den Ausbau des Trainingszentrums ist eine Anleihe geplant (dass sie kommen soll, konnten Leser dieses Blogs ja schon vor zwei Wochen lesen). 22 Millionen Euro sind als Investitionen in Steine angedacht. Das sind 2 Millionen mehr als bislang bekannt. Warum wurde bisher nicht gesagt. Nächste Woche soll nun die Entscheidung zum Bau der neuen Gegengerade öffentlich gemacht werden. Einige Tageszeitungen wollen schon wissen, dass die Entscheidung “Welle oder nicht?”, zugunsten des ursprünglichen Basismodells bereits gefallen ist. Dazu sage ich nur: Auf St. Pauli wird gekämpft und ausgeharrt, bis das Spiel vorbei ist - egal ob auf dem Platz oder auf den Rängen!
Ich hoffe immer noch, dass gerade bei einem Verein wie unserem FC die Fan-Interessen - Nähe zum Spielgeschehen, bessere Sicht, mehr Getränke- und Imbissstände, bessere Fanräume, ein Biergarten als Bonus und nicht zuletzt der Raumgewinn zum Heiligengeistfeld - den Ausschlag geben.
Dass die Welle auch architektonisch bei der Gegengeraden, dem Herzstück des Millerntor-Stadions, ein Ausrufezeichen setzt, lässt zwar schon mein Herz höher schlagen, aber wichtig ist für mich auf der Tribüne. Und da sind die Vorteile schlagend. Wie die AG Stadionbau in ihrem Bericht geschrieben hat: “Wir haben auch bei intensiver Suche keinen Aspekt des Entwurfs gefunden, bei dem nicht ‘form follows function’ gelten würde …. Wenn man eine Tribüne entwickeln will, die eine maximale Personenzahl auf einer geringen Grundfläche unterbringt und dabei auch auf einen durchgängig angenehmen Sichtabstand zum Spielfeld achtet, kann man das kaum anders gestalten.”
Dem will ich weiter gar nichts hinzufügen. Nur zum Thema Anleihe noch zwei Sätze: Entscheiden Präsidium und Aufsichtsrat für die Welle, bin ich sofort dabei und stecke mein Geld in das Projekt. Für das alles in allem lieblos entworfene Hellmich-Basismodell fehlt mir die Begeisterung und ich könnte mir vorstellen, dass dies vielen Fans genauso geht.
Es bricht keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er aufsteht und die Welle macht! — Holger Stanislawski, Trainer 1899 Hoffenheim, nicht zum Neubau der Gegengeraden beim FC St. Pauli, sondern beim Versuch, die Fans im Kraichgau wachzurütteln
(Quelle: sport.de)
Sparversion der Welle: 1 Rang weniger, 2 Millionen billiger, minus 600 Stehplätze, immer noch genial (c) Agentur Interpol+-